Pustertal beim europäischen LEADER-Treffen in Lettland vertreten

Austauschtreffen in Riga

Austausch mit europäischen LEADER-Regionen und Vertreterinnen der Stadt Riga 

Bezirkspräsident Robert Alexander Steger und Klaus Mutschlechner nahmen als Vorstandsmitglieder des Regional Management Pustertal am LINC-Kongress teil.


Riga/Jūrmala, 29. Mai 2026 - Das Pustertal war beim diesjährigen LINC-Kongress in Lettland vertreten. Bezirkspräsident Robert Alexander Steger und Klaus Mutschlechner nahmen in ihrer Funktion als Vorstandsmitglieder des Regional Management Pustertal am europäischen Treffen der LEADER-Regionen teil.

Der LINC-Kongress, die LEADER Inspired Network Community, bringt lokale Aktionsgruppen, Regionalentwicklungsorganisationen und Vertreter ländlicher Räume aus ganz Europa zusammen. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungsaustausch, Projektpartnerschaften, die Weiterentwicklung des LEADER-Ansatzes und die Frage, wie ländliche Regionen lebendig, wettbewerbsfähig und sozial stark bleiben können.

Für das Pustertal bot die Teilnahme eine wichtige Gelegenheit, eigene Erfahrungen einzubringen und zugleich von anderen europäischen Regionen zu lernen. Gerade ein Gebiet wie das Pustertal, das starke Hauptorte, touristisch geprägte Gemeinden, Gewerbestandorte, landwirtschaftliche Strukturen und periphere Seitentäler miteinander verbindet, steht vor ähnlichen Zukunftsfragen wie viele andere ländliche und alpine Regionen Europas.

"Viele Herausforderungen, die uns im Pustertal beschäftigen, betreffen auch andere Regionen Europas: demografischer Wandel, Jugendperspektiven, Sicherung von Diensten, Fachkräftemangel, Mobilität, Digitalisierung, Ehrenamt und die Frage, wie kleinere Orte lebendig bleiben können. Genau deshalb ist der Austausch mit anderen LEADER-Regionen so wertvoll", betont Bezirkspräsident Robert Alexander Steger.


Austausch mit der Stadt Riga

Neben dem Kongressprogramm fand ein fachlicher Austausch mit Vertreterinnen der Stadt Riga statt. Gesprächspartnerinnen waren unter anderem Laima Geikina, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Riga, sowie Dace Paegle und Irina Vasiļjeva aus dem Bereich gesellschaftliche Integration und Beteiligung der Stadt Riga. Im Mittelpunkt standen Bildung, Jugend, Kultur, Sport, Integration, Bürgerbeteiligung, freiwilliges Engagement und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Obwohl Riga als Hauptstadt und das Pustertal als ländlich-alpiner Raum sehr unterschiedliche Voraussetzungen haben, ergeben sich gemeinsame Fragestellungen: Wie werden Bildung und Kinderbetreuung weiterentwickelt? Wie werden junge Menschen und Familien unterstützt? Wie kann gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden? Und wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen, Vereinen und Bürgern?

"Riga und das Pustertal sind sehr unterschiedlich. Gerade deshalb ist dieser Stadt-Land-Vergleich wertvoll. Große Städte können zeigen, wie komplexe Systeme strategisch organisiert werden. Ländliche Regionen können zeigen, wie Nähe, Vertrauen, Ehrenamt und lokale Verantwortung funktionieren", so Steger.


Bildung als Standortfaktor

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung der Bildung. Für das Pustertal ist Bildung weit mehr als Schulverwaltung. Schulen, Kindergärten, Musikschulen, Jugenddienste, Sportangebote, Kulturinitiativen und Vereine bilden gemeinsam eine tragende soziale Infrastruktur. Gerade in kleineren Gemeinden sind Bildungseinrichtungen Orte des Lernens, Treffpunkte, Integrationsräume und wichtige Pfeiler des Gemeindelebens. Gute Bildungsangebote und funktionierende Kinderbetreuung entscheiden mit darüber, ob junge Familien in einer Gemeinde Zukunft sehen, bleiben oder zurückkehren.

"Für uns im Pustertal ist Bildung ein zentraler Standortfaktor. Gute Bildungsangebote, Kinderbetreuung sowie lebendige Jugend-, Kultur- und Sportangebote sind entscheidend für starke Gemeinden. Bildung ist deshalb eine zentrale Frage der Regionalentwicklung", erklärt Steger.


Integration, Beteiligung und Ehrenamt

Mit Dace Paegle und Irina Vasiļjeva wurden insbesondere Fragen der gesellschaftlichen Integration, Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen vertieft. Riga verfügt als Hauptstadt über vielfältige Erfahrungen in der Arbeit mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, Stadtteilen, Vereinen, Nichtregierungsorganisationen und lokalen Initiativen. Für das Pustertal sind diese Themen ebenfalls zentral. Das Ehrenamt trägt in Vereinen, Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Kulturinitiativen, Musikgruppen, Sportvereinen und sozialen Einrichtungen wesentlich zum Zusammenhalt bei. Dieses soziale Kapital ist eine besondere Stärke des ländlichen Raumes, muss aber angesichts von demografischem Wandel und veränderten Lebensgewohnheiten bewusst gestärkt werden.

"Das Pustertal verfügt über ein sehr starkes Ehrenamt und eine gewachsene Vereinsstruktur. Das ist eine enorme Stärke, aber keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen diese Strukturen erhalten, junge Menschen einbinden und neue Formen der Beteiligung ermöglichen", unterstreicht Steger.


LEADER als Methode für bürgernahe Entwicklung

Die Teilnahme am LINC-Kongress unterstreicht die Bedeutung des LEADER-Ansatzes für die Regionalentwicklung im Pustertal. LEADER steht für eine Entwicklung, die von lokalen Akteuren mitgetragen wird. Gemeinden, Vereine, Betriebe, öffentliche Körperschaften und Bürger bringen ihre Erfahrungen ein und entwickeln Projekte, die zur jeweiligen Region passen. Das Regional Management Pustertal spielt dabei eine wichtige Rolle als Plattform für regionale Zusammenarbeit, Projektentwicklung und europäische Vernetzung. Es verbindet Gemeinden, lokale Akteure und Förderprogramme und trägt dazu bei, Ideen in konkrete Projekte umzusetzen.

"Der LINC-Kongress zeigt eindrucksvoll, wie viele gute Ideen in Europas Regionen entstehen. Für das Pustertal ist es wichtig, diese Erfahrungen aufzunehmen, Kontakte zu knüpfen und eigene Stärken einzubringen. LEADER lebt vom Austausch, von konkreten Projekten und von Menschen, die Verantwortung für ihre Region übernehmen", erklärt Klaus Mutschlechner.


Zentrale Themen und mögliche Kooperationen

• Stärkung ländlicher und peripherer Räume

• Bildung, Kinderbetreuung und Jugendangebote als Standortfaktoren

• Kultur und Sport als Grundlage für sozialen Zusammenhalt

• Integration, Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit mit Vereinen

• Ehrenamt, Zivilgesellschaft und Einbindung junger Menschen

• Sicherung von Diensten, Mobilität und Erreichbarkeit

• Digitalisierung, neue Kompetenzen und europäische Kooperationen


Aus dem Austausch in Lettland können sich weitere Kontakte und Kooperationsansätze ergeben, etwa in den Bereichen Jugend, Bildung, Mehrsprachigkeit, Kultur, Sport, Integration, Bürgerbeteiligung, Digitalisierung und europäische Identität. Denkbar wären Schul- und Jugendbegegnungen, Erfahrungsaustausch zwischen Verwaltungen, Kooperationen zwischen LEADER-Regionen oder gemeinsame Projekte zur Stärkung ländlicher Räume.

"Europa entsteht nicht abstrakt, sondern konkret: in Gemeinden, Bezirken, Städten, Schulen, Vereinen, Betrieben und Regionen. Wenn Menschen aus verschiedenen Ländern Erfahrungen austauschen und gemeinsame Projekte entwickeln, wird Europa greifbar. Genau darin liegt der Wert von LEADER und von Netzwerken wie LINC", so Steger abschließend.

30.05.2026

DEU